Nach Smolin ist Leben nur da möglich, wo es Sterne gibt. Und Sterne sind nach Smolin ein Zeichen dafür, dass unser Universum sich nicht im thermischen Gleichgewicht befindet, was bedeutet, dass ein Austausch von Elementen stattfindet, dessen Art und Weise nicht vorhersehbar ist. Aus diesem Austausch der Elemente resultiert Leben! Was ist also Leben? Und was ist der eigentliche Grund für Leben? Ist Leben nur ein ebenso zufälliges Ereignis wie der zufällige Austausch von Elementen der Sterne und ein vorübergehenden Ereignis im Weltgeschehen?
Gleichzeitig ist aber ein Universum mit Leben nach Smolin auch außerordentlich unwahrscheinlich, weil alle Parameter der Produktion von Molekülen und dessen wechselseitigem Austausch durch die Sterne genau justiert sein müssen, um Leben zu erzeugen. Wie soll man das zusammenbringen? Auf der einen Seite ist alles nur Zufall und die Prozesshaftigkeit des Austausches von Molekülen und deren Bestandteile, die Atome des Periodensystems und sogar noch kleinere Teilchen sind blind für die menschliche Existenz und auf der anderen Seite ist die Prozesshaftigkeit des Austausches von Molekülen und deren Bestandteile, die Atome des Periodensystems und sogar noch kleinerer Teilchen, genau justiert.
Die Geschichten des Lebens war und ist jedenfalls von Anbeginn nicht blind für den anscheinend unvereinbaren Gegensatz von Zufall auf der einen Seite und exakter Justierung der Voraussetzungen für das Leben auf der anderen Seite. Seit der Antike haben sich Theoretiker und Philosophen wie Platon und Aristoteles und in der Neuzeit Geisteswissenschaftler wie Wittgenstein mit diesem Phänomen beschäftigt. Heute jedoch bestimmen vorwiegend technologische Inhalte unser Leben und haben längst etablierte wissenschaftliche Erkenntnisse verdrängt. Im Mittelpunkt unseres Lebens stehen heute Produktionsverhältnisse – die selbst das sie schützende Bewusstsein erzeugen. Damit sind diese im Stande, eine Weiterentwicklung unserer Gesellschaft zu verhindern. Statt eines Miteinanders lassen wir uns dominieren vom Egoismus marktwirtschaftlicher Interessen. Weil die Produktionsverhältnisse unsere Bedürfnisse entsprechend ihrer eigenen Organisation befriedigen können, wird das Denken in unserer technologischen Industriegesellschaft kritischer Funktionen beraubt.
Doch sind die uns von den Produktionsverhältnissen unserer materialistischen Industriegesellschaft oktruierten Bedürfnisse auch wirklich unsere Bedürfnisse? Oder scheint es nur so? Deren Fundus aus unseren unbefriedigten Triebregungen besteht. Und daraus resultierende verdrängte Wünsche mit materiellen Ersatzbefriedigungen kompensiert, die an das Bewusste und Unbewusste anknüpfen – und wirkliche Bedürfnisse verschleiern. Damit wird das Denken in allen Facetten und daraus resultierende Umgangsformen auf ökonomische Kategorien reduziert.
Ergebnis beseitigt Voraussetzung
Die Kulturwaren unserer materialistischen Industriegesellschaft sind sozusagen ideologisch befangen. Sie stehen einer unvoreingenommenen Beurteilung deshalb im Wege, weil sie im Dunstkreis bestimmter Werte existieren – die unseren angeblichen Bedürfnissen scheinbar mittelbar und unmittelbar entgegenkommen. Wirkliche Rechte und Freiheiten, die in den Frühstadien der Industriegesellschaft zentrale Faktoren waren, treten in den Hintergrund. Das Ergebnis beseitigte die Voraussetzungen, auf denen es beruht!
Was wir wirklich brauchen, scheint uns wegen der ideologischen Dunstglocke der Produkte so wenig bewusst zu sein, dass wir das, was wir wirklich brauchen, durch fremde Machtinteressen, deren Urheber mit diesen Produkten viel Geld verdienen, ständig vermarkten lassen.
Obschon wir in einer Demokratie leben, wo jeder selbst entscheiden kann, welche Produkte benötigt werden, könnte die Frage Alexis de Tocquilles, ob demokratische Staaten demokratisch bleiben oder in die Hände neuer korrupter Aristokraten der Marktwirtschaft geraten, neuen Aufschwung bekommen … weiter
Tags: Atome, Demokratie, Geschichten, Industriegesellschaft, Leben, Moleküle, Produktionsverhältnisse, Sterne, Universum


