Die Gerechtigkeit ist wie ein Spinnennetz – die Kleinen hält es fest – die Großen zerreißen es einfach
In vier Filmen schildert das ZDF momentan eine Zeitepoche, die im Vergleich zu heute wie ein Traum erscheint. In jenem Jahr kommen die linkspolitische Bewegung und die popkulturelle Revolution der 60er Jahre zu einem schicksalhaften Höhepunkt. Von dem, was damals ausprobiert wurde, findet man heute nur noch schemenhafte Spuren. Alles schien möglich. Doch der Zeitgeist hat sich wieder auf alt hergebrachtes eingependelt. Mit der Ermordung J. F. Kennedys haben die ewig gestrigen wieder das Ruder übernommen.
Auch heute setzt sich diese Tendenz weiter fort. Die Ermordung Benazir Bhutto´s vor einigen Wochen ist der aktuelle Beweis, dass es trotz augenscheinlich demokratischer Strukturen eine kleine versteckte Machtelite gibt, die immer wieder über Leichen geht, damit alles solange in ihrem Sinne weitergeht, bis es nicht mehr weitergeht und selbst zum Schluss noch Kasse macht.
Vorbereitungen für diesen Katastrophenkapitalismus wurden am Wochenende auf der Münchener Sicherheitskonferenz getroffen. Die Münchener Sicherheitskonferenz ist aber leider keine Sicherheitskonferenz, sondern dient der Vorbereitung von Kriegen, wie die Okkupation Afghanistans durch die NATO. Und Deutschland wird immer tiefer in den Kriegssumpf hineingezogen, den die USA als Krieg gegen den Terrorismus bezeichnen.
In Wirklichkeit aber dient dieser Einsatz dazu, neue Absatzmärkte für den kränkelnden Spätkapitalismus unserer Zeit zu generieren, neue Rohstoffmärkte zu erschließen und den Profit einer kleinen Machtelite zu schützen. Dazu werden Familien zerrissen, Menschen vertrieben und getötet. Auch unsere Regierung treibt hierzulande immer mehr Menschen in die Armut und investiert lieber in Rüstungsgeschäfte, die dem Katastrophenkapitalismus dienen, als in Maßnahmen gegen soziale Ungerechtigkeit.
Aber ohne Gerechtigkeit wird es keinen Frieden geben. Am Ende kann diese Machtelite ihren Schatz dann nur noch in einem gleißenden Pilz verpulvern. Bis dahin wird diese Machtelite sich selbst weiter mit Produkten versorgen, die sie nicht so sehr braucht, wie das, was vor 40 Jahren einmal für kurze Zeit in Erscheinung getreten war: die Freiheit der Bewegung über Grenzen hinweg, die Familie und die Liebe sowie Verständnis für andere Kulturen.
Tags: Afghanistan, Armut, Deutschland, Familie, Frieden, Gerechtigkeit, Katastrophenkapitalismus, Krieg, Liebe, Münchener Sicherheitskonferenz, NATO, Spätkapitalismus, Spinnennetz, Terrorismus



März 19, 2008 um 6:49
OHNE WAHRHEIT KEINE GERECHTIGKEIT.
Gustav Staedtler.
März 19, 2008 um 7:56
… ja, ist auch richtig. Aber ich glaube, zuerst einmal ist es einfacher, sich auf den Begriff Gerechtigkeit zu beschränken. Da ist genug zu tun. Die Definition der Begrifflichkeit Wahrheit ist mehr eine philosophische Aufgabe und es ist auch fraglich, ob der Begriff Wahrheit wirklich fassbar ist und ob es uns möglich ist, zu sagen, was Wahrheit ist. Ich denke dabei an Wittgensteins Frage ob der Begrenztheit unseres Erkenntnisvermögens. Eigentlich bedeutet auch Wahrheit für jeden etwas anderes. Über die Begrifflichkeit Gerechtigkeit läßt sich eher ein Konsens finden, ist aber auch nicht immer einfach.